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Welcome to China, Teil 3


 
   

Angesichts meiner Mini-Atombombe in den Gedärmen verzichte ich vorerst mal auf das sofort offerierte Bier, dass sonst von Reisenden aus dem Trockenen? Pakistan mit Gier runtergestürzt wird. Dafür haue ich mir eine doppelte Portion Nudeln rein, scheissegal, ob ich das Zeug verdaün kann. Der Manager und sein Assistant, Muhammad und Rajiv, haben beide an der Xinjiang University in Urumqi studiert und sprechen ausgezeichnet englisch. Vorallem klären sie mich zuerst mal auf, wo ich mich überhaupt befinde und mit was für leuten ich es zu tun habe.

Die Provinz nennt sich Xinjiang, beansprucht etwa 1\6 der Fläche Chinas, ist somit etwa dreimal so gross wie Frankreich und trägt den Beinamen Autonomous Uygur Province. Das ist zwar ziemlich irreführend, da in China ausser der sozialistischen Partei kein Schwein autonom ist, hat aber einen Grund. Die Uygurs sind mit 6 Millionen die grösste Minorität der 13 Millionen Einwohner von Xinjiang. Die Uygurs stammen von türkischen Nomaden ab, die vor über 2000 Jahren vom Baikalsee her langsam in die vgon Bergen, Wüste und Weideland geprägte Provinz gezogen sind. Mit den chinesischen Nachbarn haben sie sich dazumal ausgezeichnet verstanden. Die Uygurs lieferten für die zahlreichen chinesischen Kriege nicht nur ausgezeichnete Pferde sondern auch Unterstützung durch Soldaten. Als kurz darauf die Seidenstrasse ihre Blütezeit erreichte, interessierten sich die Chinesen immer stärker für diese Region und brachten nach und nach die von den Uygurs gegründeten Königtümer unter ihre Kontrolle.

Über die Steidenstrasse kamen auch arabische Missionare und konvertierten die damals buddhistisch lebenden Uygurs zum Islam. Verschiedene Aufstände brachte den Uygurs zeitweise ihr Land zurück. Ende des 18. Jahrhunderts wars dann endgültig aus mit dem moslemischen Reich und die Chinesen übernahmen endgültig die Kontrolle über die Region. Seither haben verschiedene chinesische Kriegsherren wüste Massaker unter der moslemischen Bevölkerung angerichtet.

In den 50er und 60er Jahren ging man dann dazu über, massen von Han-Chinesen anzusiedeln um die Region zu beruhigen. Diese Politik wird bis heute weitergeführt, vorallem in Gebieten mit einer Uygur-Mehrheit werden tausende von arbeitslosen Chinesen von der Ostküste reingepumpt, um eine Mehrheit der letzteren zu erreichen. Den übersiedlern wird ein sicherer Arbeitsplatz, eine schöne Wohnung und ein guts Salär zugesichert, im Gegenzug werden die Uygurs arbeitslos oder in untere Chargen degradiert. Selbstverständlich schauben die Uygurs dem Treiben nicht einfach gelassen zu.

Gelegentliche Aufstände und Protestmärsche werden aber von der Polizei und der Armee brutal niedergeschalgen und vor der Weltöffentlichkeit todgeschwiegen. Wer weiss denn in der Welt schon, was hier vor sich geht? Ich hatte jedenfalls keine Ahnung. Den Leuten hier fehlt ein telegener Dalai Lama und ein rührender Richard Gere, die das Tibet-Problem an die Spitze des Betroffenheits-Barometers katapultiert haben.

Wir diskutieren bis lange in die Nacht. Eigentlich wird ja Tashkurgan nur empfohlen, um eine Nacht zu bleiben, um am nächsten Morgen gleich nach Kashgar weiterzufahren. Ich beschliesse zu bleiben, weil ich mehr erfahren möchte. Am nächsten Tag will mir Muhammad persönlich Tashkurgan zeigen. Als wir aus dem Ort herauskommen finde ich eine Landschaft vor, wie ich sie noch nie gesehen habe. Auf dem Hochplateau erstreckt sich von Norden nach Süden soweit das Auge reicht dicht grün bewachsenes, baumloses Grasland, das von einem Netz kleiner Flüsschen genährt wird.

Im Osten Westen begrenzen zuerst kahle, rotbraune Hügelketten, dahinter die imposanten Schneegipfel des Pamirs die Sicht nach Afghanistan und Tajikistan. Tausende und Abertausende von Ziegen, Schafen, Esel, Pferden und Kühen grasen friedlich auf der gigantischen Ebene 3000 Meter über Meer und lassen sich durch uns nicht stören.

Wir schlendern stundenlang durchs Land, waten durch Beache, begegnen tajikischen Hirten auf Pferden und Eseln, kommen an einfachen Steinhütten und Yurten vorbei, die den Hirten im Sommer als Unterkunft dienen. In den sechs Monaten Winter wirds hier extrem kalt und die Leute haben nur das zum Leben, was sie im Sommer erarbeitet haben. Trotz der Höhe ist es durch den stahlblauben Himmel und die starke Sonneneinstrahlung noch angenehm warm.

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      "Toms Reisen" © by Tom Schaich