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Welcome to China, Teil 2


 
   

Bald merke ich, dass die bösen Buben nicht nach pakistanischem Haschisch , überzähligen Zigaretten oder Whiskey ausschau halten, sondern nach verbotenem Propagandamaterial suchen. Meine gut 10 Musikkassetten scheinen Höchst verdächtig und werden einzeln nach imerialistischen Inhalten untersucht. Beinem indischen Tape stossen die Hüter des Sozialismus auf eine in unjabi gesprochene Stelle, werden dabei kreidebleich und schauen drein, als ob der Teufel persönlich zu ihnen gesprochen hätte.

In scharfem Ton werde ich gefragt, das das bedeute. Ich erkläre lächelnd, dass dies Musik aus einer Sikh Gurdwara sei und davor jeweils eine Einleitung gesprochen werde. Als mir dann eine der lächerlichen Figuren mitteilt, dass die Kassette konfisziert sein, ists mit meiner Ruhe vorbei, an dieser Musik hängen für mich sehr viele Erinnerungen. Ich verlange, augenblicklich den Chef des Ladens zu sprechen, setze mich auf den Boden und drohe, den Ort nicht mehr zu verlassen, bis ich mein Tape zurück habe. Der Typ wird ziemlich nervös und macht sich aus dem Staub, erscheint nach einer Weile wieder und meint, dass sein Vorgesetzter gleicher Meinung sei, aber kein Englisch spreche.

Ein längeres hin und her beginnt, der Beamte bleibt absolt stur. Ich schiesse aus vollen Rohren, bezeichne ihn als gehirnamputierten, engstirnigen Idioten, dabei ist mir scheissegal, falls ich nach Pakistan ausgewiesen werde. Den Urlaubern draussen wirds langsam zu abenteürlich und so versuchen sie mich zur Weiterfahrt zu bewegen. Ich werfe meine brennende Zigasrette auf den Boden, den Mondgesichtern noch ein paar Nettigkeiten an den Kopf, worauf sie sich lankonisch für meine freundliche Kooperation bedanken. Willkommen in China!

Ich habe meine Lektion in chinesischer Bürokratie und Sturheit gelernt und beschliesse, mich nicht ein zweites Mal lächerlich zu machen. Zurück im Jeep brauche ich eine ganze Weile, um mich wieder unter Kontrolle zu bringen, schaffe es aber nur mit dem Gedanken, dass ich in Zukunft mit meinem fetten Marker OEFree Tibet? auf jades öffentliches Gebäude kritzeln werde. Wir erreichen gegen Abend die Immigration in Tashkurgan. Nochmal einen Haufen Papierkram und Gepäckkontrolle und ich bin endgültig in China. So stehts jedenfalls am Ausgang. Dort werde ich von einem Typen in ausgezeichnetem Englisch begrüsst, der überhaupt nicht wie ein Chinese aussieht. Er stellt sich als Manager eines hiesigen Hotels vor, bietet ein äusserst günstiges Bett an, lächelt den herumstehenden chinesischen Chauffeuren ins Gesicht und sagt dabei, ich soll besser zu Fuss gehen, da mich die Jungs hier kräftig ausnehmen werden. Klingt irgendwie interessant und so willige ich ein.

Während den zwei Kilometern Fussmarsch realisiere ich zum ersten Mal richtig, dass ich nach nur sechs Stunden Fahrt von Pakistan in einer komplett neün, für mich fremd anmutenden Welt angekommen bin. Auf der sauber geteerten Strasse mit Mittelstreifen sind die Han-Chinesen in ihren niegelnagelneün Toyota-Geländewagen, VW?s und Deawoos eindeutig in der Minderheit. Mich faszinieren vorallem die einfachen Baürn, die zu Fuss oder auf flachen, von Eseln gezogenen Holzkarren unterwegs sind.

Mein ethnologisch ungeschultes Auge stuft die Leute irgendwo zwischen Mongolen und Russen ein. Rundliche Gesichter, hohe Backenknochen, die Haut rötlich gefärbt, die Fraün mit Kopftuch, Röcken und dicken Strümpfen, die Männer mit ausgetragenen Vestons aus dickem Stoff und Hüten in verschiedensten Formen. Dazi\wischen grell geschminkte junge Fraün in Miniröcken, knallengen Tops und Plateau-Schuhen. Da guckt man schon zweimal hin, wenn man gerade aus Pakistan kommt. Ich muss mir immer wieder in Erinnerung rufen, dass das flache Plateau mit den umliegenden Bergen der Pamir-Kette auf 3000 Metern liegt.

Die Ortschaft ist für chinesische Verhältnisse ziemlichklein, für jemanden wie mich, der gerade aus dem Mittelalter kommt, wirken die mehrstöckigen, mit weissen Keramikp0latten verputzten und zugegebenermassen ziemlich gesichtslosen Gebäude supermodern. Richtige Geschäfte und Restaurants in gemaürten Gebäuden habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Und nach einem Jahr Gest Häusern mit kaum mehr als 10 Zimmern kommt mir das angewiesene Hotel mit gut 100 Betten gigantisch vor, obwohls drinnen ein bisschen wie in einem Militärspital aussieht.

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      "Toms Reisen" © by Tom Schaich