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Faszination Seidenstrasse, Teil 3


 
   

Assaf weiss auch nicht genau, was er eigentlich bestellt hat. Jedenfalls stehen bald drei Gerichte vor und Ente mit Peperoni, Ente mit Chili und Ente mit Bohnen. Wahrscheinlich wollte der Chefkoch mal ein paar Vollweichen aus der Nähe sehen. Das Personal stellt sich darauf im Halbkreis um unseren Tisch und will sehen, ob wir soviel Ente ohne Schaden vernichten können. Um die Situation etwas aufzulockern, bestellen wir eine Flasche Whisky, worauf wir aber Reisschnaps mit 50% Alkoholanteil erhalten. Das Zeug ist kaum geniessbar, verbrennt die Ente aber augenblicklicklich in den Eingeweiden.

Die Chinesen an den umliegenden Tischen können sich vor Lachen kaum mehr einklinken und nach dem Essen haben wir blitzartig ein paar besoffene Schlitzaugen und eine neü Flasche mit dem parfümartig riechenden Brennsprit am Tisch. Eigentlich sind wir schon ziemlich dicht, nach der überdosis chinesischer Gastfreundschaft haben wir aber alle einen Sprachfehler. Da gibts nur noch eins, ab in die Disco.

Zu Pump up the jam? stürmen wir in der OELei Long Dancing Bar? johlend die Tanzfläche und stellen erstaunt fest, dass diese auf Federn gelagert ist und somit im Rythmus der tanzenden Menge auf und ab vibriert. Uns bleibt heute auch gar nichts erspart. So rocken wir kräftig ab und nach einem längeren Filmriss finde ich mich vor unserer Zimmertüre schlafend, da Assaf, der den Schlüssel hat, nicht zu finden ist.

Jake hat sich derweil ein Stockwerk tiefer im Ladysdorm lautstark Einlass verschafft und ein Bett beschalgnahmt. Am nächsten Morgen brummt der Schädel und ich hab vorerst genug von der OEzivilisierten? Welt. Ich bin definitive bereit, das wirkliche Kashgar kennenzulernen. Der Weg in die Altstadt ist wie eine Zeitreise zurück in eine alte zentralasiatische Stadt. Der Lärm der Autos und Handys wird abgelöst vom Rythmus der Händler, Pilger und Handwerker. Die Strassen runs um die 600 Jahre alte Aidkal Moschee, dem Herz der Altstadt und grösstem Bauwerk dieser Art in China, sind vollgestopft mit Restaurants, Handwerksbetrieben und Shops und Vertreter aus ganz Zentralasien scheinen sich an diesem Stelldichein zu beteiligen. Am auffälligsten sind die Uygurs, die mit Kopfbedeckungen in verschiedensten Formen und Ausführungen ihre Standeszugehörigkeit und Abstammung demonstrieren.

Durch Aussehen und Kleidung unterscheiden sich die Kazakhs, Hui, Xibo, Mongolen, Kirghisen, Uzbeks, Manchus, Russen, Tartaren und Tajiks. Unter den alten schattigen Bäumen vor der Moschee kaürn Gruppen von alten Männern beim Kartenspiel, rasieren Barbiere die Schädel von Pilgern und verkaufen Bäcker ihr kunstfoll aufgeschichtetes Nan-Brot. Die Luft ist geschwängert von Kohlerauch und dem Duft von gebratenem Lammfleisch, das die umliegenden Restaurants auf langen Grills in Form von Kebabs ohne Unterbruch zubereiten.

In riesigen Pfannen wird das traditionelle Polo, gebratener Reis mit riesigen Stücken von Schaffleisch, zubereitet, die geschlachteten Tiere hängen daneben gehäutet und von Wespen umschwärmt an Haken. Bleistiftdicke Nudeln werden von alten Fraün mit Kopftuch für das leckere OELaghman? für jeden Gast frisch von Hand gezogen. An jeder Ecke dampfen Stapel von Bambuskörben, in denen köstliche Teigtaschen, gefüllt mit Kürbis, Schaffett und Fleisch, OEMantas? genannt, zubereitet werden.

In steinernen Tandoori-öfen wird Samsa, das brotähnliche gebackene Pendant zu den Mantas, gebacken und mit Vorliebe zusammen mit Tee zum Frühstück verspiesen. Zur Mittagszeit schreien die Restaurantbesitzer für Kundschaft um die Wette, da jeder mehr oder weniger dasselbe anbietet. Die angrenzenden Bazare sind vollgestopft mit allem, was ein echter Uygur zum Leben braucht. Dazu gehören natürlich die Kofpbedeckungen aller Art, handweiche Lederstiefel, die mit sonderbaren Aussenschuhen getragen werden, bademantelartige weisse Sommermäntel sind ebenso in Angebot wie die schweren fellbesetzten Wintermodelle, wobei auch unverarbeitete Felle von Tieren erhältlich sind, für dessen Besitz man in Europa wahrscheinlich auf der Stelle verhafetet, mindestens aber von Greenpeace gesteinigt würde.

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      "Toms Reisen" © by Tom Schaich