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Die Jahrtausendparty (Fortsetzung)


 
   

Zuerst mal reich nach Baga, einer von touristischen Anlagen komplett zugebauten Siedlung an der Südspitze von Calangute. Auf der Strasse wird man von den ständig hupenden Motorrädern und Taxis fast überfahren, Technomusik aus jeder Ecke. Tausende von Leuten in schicker Abendgardarobe. Wo ist denn da der Spirit der Hippie-Generation, die Goa so berühmt gemacht hat? In Rimini kann man genau dasselbe finden.

Nur noch gestylte Restaurants mit uniformierten Kellnern, dröhnende Bars und besoffenen Touristen. Von wegen 'mit den Einheimischen in den Bambushütten leben' und essen, was die Fischer nach Hause bringen. Aber vielleicht finden wir ja an einer Party das, was man so über Goa erzählt. Die sollen ja der ultimative Kick in ganz Asien sein. Diese Parties werden wegen des Ansturms immer mehr gut bezahlenden Pauschaltouristen, die nicht den ganzen Tag dieses 'Bumm Bumm' hören wollen, von den Behörden massiv abgeblockt.

Das einzige was da noch hilft ist Bakschisch. Viel Bakschisch. Welche Organisatoren genügend Schmiergeld bezahlt haben, erfährt man in den verschiedenen Szene-Bars, wo man sich am Abend trifft. Danach fährt man bis zu einer Stunde mit einem überteürten Taxi durch die Pampa um an einen der Plätze zu gelangen. Nun kann es aber passieren, dass die Bullen die Meinung ändern und während des Anlasses die doppelte Menge Bakschisch als Nachzahlung verlangen. Dann werden einfach alle Tanzwütigen vertrieben und der Anlass als illegal erklärt.

Dasselbe passierte auch mit dem zehntägigen ultimativen Milleniumsparty-Camp, das zwischen Weihnachten und Neujahr Technofreaks aus aller Welt hätte vereinen sollen. Wir haben Glück, unsere Party im Bamboo Forest findet statt. Es läuft nicht viel um 1 Uhr morgens, einige Leute tanzen, magere Dekoration, hektische Musik. Im rückwärtigen Teil kann man bei Chai-Mamas gemütlich auf Strohmatten sitzen und die Szene beobachten. Wir fragen uns erst mals, ob wir wirklich an DER Party sind, fragen ein paar Leute, ob sie näheres wissen. Und dass ist dann auch das eigentliche Thema der Parties: Wo findet eigentlich DIE Party statt?

Wir scheinen am richtigen Ort zu sein, tausende von Leuten strömen langsam ein. Auf der Tanzfläche wird der Platz immer enger, Leute drängen sich durch, Inder verkaufen agressiv Wasser und Esswaren zwischen den Leuten. Sanitäre Anlagen sind nicht vorhanden. Jeder verrichtet sein Geschäft, wo es ihm gerade beliebt. Bald breitet sich auf dem Gelände ein beissender Gestank aus. Wir gewöhnen uns zwar daran, so richtig Spass macht es aber nicht.

Nach Sonnenaufgang ertragen wir noch kurz die bleichen Gesichter mit den grossen Augen der tanzenden Menge und gehen ziemlich schlapp nach Arambol zurück. Nun weiss ich definitiv, wa Goa wirklich schön ist. Wir beschliessen, künftig der bekloppten Party-Szene aus dem Weg zu gehen und das vielgerühmte Milleniumsfest in Arambol zu verbringen.

Das ganze Milleniumsgetue wird in einem Land wie Indien sowieso ziemlich relativ. Immerhin ist eine Party bei Süsswassersee angesagt. Einige Cracks aus Anjuna und Calangute, die die Szene dort auch nicht mehr sehen können, haben sich schon angekündigt. Man befürchtet schon, dass der Menschenauflauf zu gross ein könnte, als die Party am Morgen des 31.

Wegen fehlendem Bakschisch auch abgesagt wird. Die Entteuschung unter den Leuten ist gross. Sind nun die Mächtigen der Pauschaltourismus-Branche schon so einflussreich, dass ein paar Freaks das Milleniumsfest verwehrt werden kann? Massive Kritik am Handeln der Polizei wird laut. Ein paar Italiener machen schlussendlich ihren Einfluss und ihr Vermögen geltend, stellen eine Musikanlage am zuvor dekorierten Strand auf und schaffen es, mit einem grossen Feürwerk innert Minuten eine Menge von etwa 1000 Leuten an die Beach. Platz hätten zehntausende gehabt.

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      "Toms Reisen" © by Tom Schaich