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Die Jahrtausendparty (Fortsetzung)


 
   

In Margao sitze ich, mittlerweile ziemlich auf den Felden, auf einem Motarrad die holperige Strecke zur Busstation, qütsche mich dann mit dem 70 Liter Rucksack auf dem Schoss in einen Minibus nach Panaji. Kurz vor dem Umfallen wird mir eine dreistündige Busfahrt nach Arambol angeboten.

Mittlerweile habe ich aber die ewige Umsteigerei und auch die touristisch abgebrühte Goaner ziemlich satt. Also schwinge ich mich in eine Rickscha und lasse mich in zwei Stunden zum zehnmal höheren Preis direkt nach Arambol chauffieren. Die Fahrt führt an vielen prachtvollen Villen und weissgetünchten Kirchen vorbei, auch dies Relikte der Portugiesen, die 1961 von den Indern in einer unblutigen Aktion vertrieben wurden.

Die Kombination mit der roten Erde, den Palmenhainen, den vielen Bäumen und Strassenrestaurants hätte mich eigentlich begeistern müssen. Ich bin aber kurz vor dem Kollaps und alle nerven mich. Am zunehmenden Aufkommen westlicher Reisender bemerke ich mit steigendem Unbehagen, dass wir bald in Arambol sein werden. Wie erwartet, ist in ganz Arambol kein Zimmer frei. Ich beginne zu kochen. Was für eine Scheissidee, über Weihnachten nach Goa zu reisen!

Meine Laune bessert sich etwas, als ich von einer netten Familie für eine Nacht aufgenommen werde, um dann am nächsten Tag ein freies Luxuszimmer mit Bad, Dusche und toller Matraze zu beziehen. Zu diesem Zweck werde ich in ein Doppelbett verfrachtet, während Daddy aus der Küche schnarcht und Sohnemann extra zu Nachbarn ziehen muss. Gastfreundlich sind sie, diese Goaner. Die Nächte in Arambol sind angenehm kühl.

Am nächsten Morgen fühle ich mich wieder einigermassen erholt, habe freude an der in einen Palmenwald zurückversetzten Siedlung. Ich gehe Richtung Strand durchs Dorf. Die Zimmer für Reisende sind hauptsächlich in Privathäusern untergebracht, so ist der Tuorismus nur an den herumspazierenden Westlern erkennbar. Das Publikum ist ziemlich gemischt. Von übermässig tätowierten und verfilzten Altfreaks über hypen Tel-Aviv-Girlies, bekifften und betrunkenen Skandinavier, sonnenhungrigen Mitteleuropäern sind jede Menge Künstler, Artisten, Aussteiger und sonstige Gestalten auszumachen. Friedlich Szene, keine Menschenansammlungen.

Der breite und lange Strand lässt die geringe Anzahl Badegäste fast verschwinden. Zwar stören die Bambushütten der Restaurants etwas, nach ein paar Minuten zu Fuss ist man aber schon umgeben von einem unendlich breiten Strand, der flach ins ruhige Meer abfällt. Ich beginne, Arambol zu mögen, vorallem nach einem Spaziergang bei Sonnenuntergang zum benachbarten Süsswassersee mit prähistorisch anmutender Vegetation, als ich Manfred zufällig in einem Restaurant sitzen sehe.

Wir sind glücklich, uns wiederzusehen und haben natürlich unendlich viel zu erzählen. Genug für die nächsten paar Wochen sicher. Mit dabei ist nun auch Manfreds Geschäfts- und Reisepartner, ein stämmiger Bayer namens Ronnie. Nach ein paar Tagen nimmt Manfred, in seinem hohen Alter von zuvielen Nächten in der Hängematte stark gebeutelt, das Luxuszimmer neben meinem. Auf der Veranda sitzen wir nun wieder nächetelang philosophierend bei einem Whisky zusammen. Wenn ich nicht wüsste, dass ich erst seit ein paar Monaten unterwegs bin, würde ich sagen, wie in in alten Zeiten.

Die Tage vergehen sehr ruhig. Keine Parties in Arambol, kein Internet-CafÈ, mühsame Busverbindungen, die ein unnötiges Herumreisen schon von vorne herein ausschliessen. Viele Langzeittraveller, an deren Gesichter man sich schnell gewöhnt. Mit der Ruhe ist es aber kurzfristig vorbei, als wir beschliessen, die Party-Szene von Goa heimzusuchen. So macht sich also ein erholungssuchender Systemflüchtling, ein philosophischer Altfreak und ein Bayer auf die Suche nach DER Party.

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      "Toms Reisen" © by Tom Schaich