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Paradies mit Schattenseiten (Schluss)


 
   

Schon am ersten Abend sitzen wir bei mehreren Kannen Tee und vielen Zigaretten bis in den Morgen hinein zusammen. Bandula berichtet über das Projekt, Sri Lanka und seine Landsleute. Interessant dabei ist, dass er als Singhalese mit einem tiefen Einblick in die westliche Kultur messerscharf abstrahieren kann und mir Zusammenhänge und Begebenheiten so verständlich darlegen kann. Dabei sind seine Deutschkenntnisse extrem hilfreich. Viele Beobachtungen, die ich auf meiner bisherigen Reise machen konnte, wurden mir nun klar und fügten sich langsam zu einem gesamtheitlichen Bild über die Situation im Lande zusammen. So verbringen wir Abend für Abend mit Unmengen vorzüglichem Broken Orand Peckoe Schwarztee.

Sechs Uhr morgens beginnen jeweils die Arbeiten auf dem Gelände. Bis zu 50 Arbeiter sind mit der Erstellung der beiden Schlafsääle, Küchen, Angestelltenhäuser, Lagerhütten, beim Rhoden des Geländes, Pflanzen, Brunnengraben, Bauholzsägen, Strassenbauen und Umzäunen des mehrere Hektaren grossen Geländes beschäftigt. Selbstverständelich ohne Maschinen. Ich freunde mich schnell mit den Arbeitern des Dorfes an und schon bald bin ich bekannt wie ein bunter Hund im zwei Kolomenter entfernten Koslande. Da kann der Kauf von Zigaretten schon mal eine Stunde dauern.

Die Leute grüssen mich, sprechen mich an, oder laden mich zum Tee ein. Tagsüber unternehme ich jeweils ausgedehnte Wanderungen in der hügeligen, dichtebewachsenen Gegend, beobachte verschiedenste Tiere oder unterhalte mich einfach nur mit den Leuten, die ständig auf der Strasse anhalten, weil sie meinen, ich hätte mich verlaufen. Die Stille in der Gegend ist phänomenal. Nur die Geräusche aus dem Dschungel sind zu vernehmen.

Fast jede Nacht hören wir aber Schreie, Geschäpper, Geknalle von Feuerwerk: wenn die Elefanten aus dem nahegelegenen Nationalpark auf Futtersuche sind, machen sie sich gerne über Plantagen her. Die Dorfbewohner versuchen jeweils, um ihre Existenz bedroht, die Dickhäuter zu vertreiben. Pro Jahr kommen so gegen 20 Menschen um und viele verlieren ihre Nahrungsgrundlage. Eines Nachts wird die Plantage unseres 300 Meter entfernten Nachbarn verwüstet. Aus dem kurzen Besuch von Bandula wurde schlussendlich eine ganze Woche und eine feste Freundschaft.

Zur Zeit bin ich mit Michael Kreitmeyr in Kontakt, um eine Spendenaktion in der Schweiz durchzuführen. Ich konnte mich von der Seriosität und der Sinnhaftigkeit dieses Projektes überzeugen und möchte mich nun dafür einsetzten. Wer vorher schon Informationen haben möchte, kann mehr unter www.littlesmile.foru.de erfahren.

Per Bus mache ich mich auf den Weg nach Nuwara Eliza, dem stark englisch geprägten, verregneten und kühlen Ort mitten in Teeplantagen auf 1890 Metern gelegen. Die Landschaft und das Klima erinnern stark an die Schweiz im Herbst. Meine Unterkunft im etwas heruntergekommenen ehemaligen Gouverneurssitz aus dem 19. Jh., der von zwei alten singhalesischen Gentlemen geführt wird, die malerischen Märkte, der wundervolle botanische Garten und die Teestunden im alten Grand Hotel bewegen mich zu einem 2tägigen Aufenthalt.

Die Zeit wird langsam knapp. Ich fahre nach Colombo zurück, kaufe ein Ticket nach Indien, weil es aussichtslos ist, mit dem Schiff dorthin zukommen. Beim Checken meiner Mailbox stosse ich auf eine Mitteilung meiner Berliner Freunde, die sich im Süden an einer anderen Beach aufhalten. Kurzentschlossen setze ich mich in den nächsten Zug, komme nachts in Unawatuna am Strand an und laufe im ersten Restaurant gleich meinen Freunden über den Weg.

Die Freude des Wiedersehens ist auf beiden Seiten gross. So verbringe ich die letzten Tage wieder in angenehmer deutscher Gesellschaft direkt am Meer. Ich reise zurück nach Colombo zu 'meiner' Familie und muss natürlich viel erzählen. Am nächsten Morgen nehme ich endgültig Abschied von Sri Lanka und steige in den Flieger nach Trivandrum in Indien.

Eine faszinierende Zeit ist vorbei. Ich lernet ein Paradies mit Schattenseiten kennen und lieben. Die Eindrücke waren sehr intensiv und lassen die Frage aufkommen, ob es überhaupt eine Steigerung gibt. Aber Indien soll ja immer für überraschungen gut sein. Und diese werde ich weiterhin gerne zulassen.

So, das wärs weider mal für eine Weile. Sorry wegen meines miserablen Schreibstils (ich wechsle ständig von der Vergangenheit in die Gegenwart) und den vielen Schreibfehlern. Aber die Athmosphäre in einem Internet-Cafe motiviert nicht zu vielen Korrekturen. Wer mir schreiben möchte kann das bis etwa zum 14.10. (Absendedatum des Briefes) unter folgende Adresse machen:

SCHAICH Tom
poste restante
General Post Office (GPO)
Kochin, Kerala,
India

Gruss
Tom

 

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      "Toms Reisen" © by Tom Schaich