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Bei den Kumanis


 
    Da fliegt mir doch das Blech weg

Ich freue mich aufs Tippi-Leben draussen in der Natur. Der erste Chai vom Lagerfeuer schmeckt ausgezeichnet. Doch die Freude hält nicht lange. Wir sitzen gemütlich auf unserem Plätzchen vor dem Zelt und beobachten die Light-Show bei den weit entfernten Hügeln. Dort schepperts ganz schön. Die Blitze züngeln wie Lichtschwerten um die Berge, die pechschwarzen Wolken tronen wie verwester Blumenkohl über dem Geschehen. Wir sind ja glücklicherweise weit weg vom Schuss. Denken wir und vergessen, dass wir es hier nicht mit einem schweizer Gewitter zu tun haben. Plötzlich dreht sich der Wind und wird schnell stärker. Wir räumen schnell alles zusammen und verbarikadieren uns behelfsmässig im Tippi. Schnell merken wir, wie instabil die Konstruktion ist. Es bläst überall hinein, der Canvas flattert unkontrolliert in den Böen. Wir unternehmen immer noch hilflose abdichtungsversuche, als die beiden Jungs schreiend durch den Regen angerannt kommen. Wir realisieren jetzt erst überhaupt, wie stark dieses Umwetter ist. Die Blitze sausen in nächster Nähe in schneller Reihenfolge nieder, es ist stockfinster, der Wind bläst den Regen und den Hagel waagerecht über den Hügel. Rasch packen wir das Wichtigste zusammen und verlassen das Zelt. Während das Tippi hinter uns weggeweht wird, tuschen wir den glitschigen Hang hoch. Deep kommt völlig aufgeregt angerannt, reisst mir die Taschenlampe aus den Fingern und rennt mit den Jungs nochmals runter um das restliche Gepäck raufzuholen. Simran, Deran und Rick sind bereits im Zimmer, ihr Tippi hats ebenfalls erwischt. Ziemlich niedergeschlagen sitzen wir in der runde und keiner traut sich überhaupt das Thema Zelt anzusprechen.

Als Belohnung für das Scheisswetter von gestern Nacht schnekt uns der Wettergott freie Sichtauf Nanda Devi und die anderen Schneegipfel. Ein gigantischer Anblick. Die Reste des Tippies hängen nass und verdreckt an der Terrasse, das Stroh liegt völlig nass noch dort. Es ist zum heulen. Glücklicherweise spricht jeder bei der ersten Runde Chai draussen in der Morgensonne vom Wiederaufbau. Deep meint, er stelle beide Tippies locker in zwei Stunden auf, verabschiedet sich dann kurz und taucht den ganzen Tag nicht mehr auf. Wir wollen nicht einfach rumstehen und beginnen, die grossen Risse im Canvas mit starkem Kunststofffaden zu nähen. Danach versuchen wir gleich noch die mächtigen Bambusstangen neu zu ordnen. Schlussendlich schaffen wir es, alle Stangen auf ein Mass zu kürzen, neu zu verschnüren, das Gerüst aufzustellen, das Bündel neu zu verschnüren, die Stangen im Boden zu verankern, den Canvas hochzuziehen und schlussendlich so um das Gerüst zu wickeln, dass das Gewebe schön straff gespannt ist. Zur Krönung spannen wir den Zeltstoff mit kleinen Baubussttäbchen bei jedem Pfosten ab und beschweren den übrigen Stoff von innen mit schweren Steinen. Eine saubere und ansprechende Arbeit, Swiss Style eben. Als Deep dann gegen Abend doch noch auftaucht hauts ihn fast um. Er inspiziert die Arbeit im Detail und kopiert dann unsere Ideen frech am anderen Tippi. Endlich können wir Nahrungsmittel für die Köche einkaufen. Abends koche ich aus einr Büchse Amul-Käse mittels Bratpfanne und Deckel ein Fondue mit Geschwellten und Braunbrot. Wir kommen uns vor wie im Schlaraffenland.

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      "Toms Reisen" © by Tom Schaich