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Kontraste (Schluss)


 
   

Auf der Botschaft erklärt man mir freundlich, dass ich auf das Visa 4 Tage zu warten habe. Was tun? Ich habe bald Geburtstag und befinde mich inmitten einer der schönsten Inselgruppen der Welt. Also checke ich ein paar Abenten ab und buche dqann 5 Tage in einem Luxusresort auf einer kleinen Insel. Schon am Nachmittag bringt mich das Speedboat nach Meeru Island, einem Teil des North Male Atolls. Von weitem ist nur der schneeweisse Sand und ein Wald von Palmen zu erkennen, das Wasser ist smaragsfarben, das Boot scheint darauf zu schweben.

Zur Ankunft gibts einen Begrüssungs-Cocktail in der mit Sand bedeckten offenen Lobby, danach werde ich in mein Zimmer gebracht. Es verschlägt mir fast die Sprache: ein riesiger Raum mit geschmackvollen Rattanmöbeln und edlen Stoffen, Klimaanlage mit Fernbedienung, riesiges Badezimmer mit 24h-Warmwasser, eine sandbedeckte Verande, die gleich zum Strand raus führt. Welch ein Kontrast zu meiner Hütte in den Bergen (die ich aber eigentlich mehr mochte).

Dreimal täglich Schlemmerbuffet vom Feinsten mit allem, was das Herz begehrt (jedenfalls das der Pauschaltouristen). Es amüsiert mich, das vorwiegend europäische Publikum in Diskussionen über den Sinn des Reisens zu verwickeln. Die finden mich dann jeweils ziemlich kurios und bezahlen mir nachts sämtliche Rechnungen in der Bar. Die Tage verbringe ich mit schwimmen und schnorcheln. Die Unterwasserwelt der Malediven ist alleine eine Reise wert. Hunderte von verschiedenen Arten von Fischen in allen Farben, Mustern und Formen, die man sich nur vorstellen kann. Sonderbare Kreaturen fesseln mich stundenlang unter Wasser. Ich kann mich kaum sattsehen.

Den Abdruck der Taucherbrille sieht man noch beim Nachtessen. Es genügt oft schon, nur im seichten Wasser zu spazieren und schon schwimmt einem ein kleiner Riffhai vor die Füsse oder man schreckt einen Stachelrochen auf. Noch nie zuvor habe ich eine so intensive Begegnung mit der Unterwasserwelt erlebt. So tanke ich Luxus, geniesse die Bekanntschaften mit den Fischen und Urlaubern, gehe abends in die Disco und reise dann wieder nach Male', wo ich innerhalb eines Tages ein nigelnagelneues Visum für 6 Monate in meinen Pass gedrückt bekomme.

Als ich nach Indien zurückfliege, kommt es mir vor, als ob ich nach Hause komme. Hier fühle ich mich richtig wohl, und hier warten noch unglaublich viele Interessante Begegnungen auf mich. Und vor allem ist hier mein Geld wieder etwas wert. Ich freü mich richtig, als mich der Rickshaw-Wallah auf der Fahrt zurück nach Kovalam nach Strich und Faden bescheissen will, streite lange mit ihm, freü mich über meinen Sieg.

In Kovalam fülle ich mir den Magen erst mal wieder kräftig mit Indian-Food, setze mich stundenlang an meinen Chai-Stand und höre mir die Sorgen der Strandverkäufer an. Erst jetzt merke ich so richtig, wie gut mir dieses Land gefällt. Trotz dem ganzen Dreck und den ständigen Komplikationen. Ein paar Tage werde ich noch in Kovalam verbringen und dann endlich nach meinem ursprünglichen Plan weiterziehen. Wer weiss, was bis Goa noch alles dazwischenkommt?

Das wärs für dieses Jahrtausend. Ich hab gehört, in Goa solls ne Party geben und die will ich nicht verpassen. Darüber dann aber erst wieder im Januar. Ich wünsche Euch allen eine wunderschöne Weihnachten bei einigermassen erträglichen Temperaturen und einen guten Rutsch ins Jahr 2000. Peace.

Gruss
Tom

PS: Ich habe nun definitiv rausgefunden, dass das indische Postsystem scheisse ist. Bisher hat kein einziger Brief den Weg zu mir geschafft. Umleitungsanträge sind unterwegs, passieren tut nix. Falls ihr etwas per Post schicken wollt, sendet mir doch einfach zürst ein E-Mail, dann geb ich die Adresse durch. Nach wie vor bin ich unter dieser Emailadresse erreichbar.

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      "Toms Reisen" © by Tom Schaich