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Kontraste (Fortsetzung)


 
   

Die Zeit ist gekommen, um den Tag mit interessanten Gesprächen bei guter Musik in Bibis Bude zu auszuklingen. Gegen 20 h treffen wir uns alle warm eingepackt in der kleinen, kalten, rauchigen Küche, sitzen auf der Treppe, auf dem Boden oder kleinen Hockern und essen die Chapati mit Alu Gobi oder sonst einem Curry von Hand aus hochrandigen Blechtellern.

Nach dem Essen ergreift meist Nevil das Wort und eröffnet so die Diskussionen, die meistens bis tief in die Nacht in seinem kleinen ungeheizten Zimmerchen mit Bergen von Papier fortgesetzt werden. Nachts ist eine vielzahl von Fröschen, Schlangen udn sonstigem Getier unterwegs, Vor einiger Zeit wurde in der Nachbarschaft sogar ein Leopard gefangen. Auch Bären werden ab und zu gesichtet. Ein wahrhaftig aussergewöhnlicher Ort.

Während meiner Anwesenheit mache ich viele Spaziergänge auf der Farm, werde von benachbarten Framern zum Essen eingeladen und gehe so einmal in der Woche in die Stadt im einzukaufen. Den Weg kann ich entweder auf Bibis Enfield-Motorrad in 45 Minuten oder zu Fuss durch den Wald, mit dem Milchwagen bis zur Busstation und mit dem Bus in die Stadt in 2 Stunden zurücklegen. Ein langer Weg, wenn man mal Zigaretten vergessen hat...!

Zwischendurch besuchen immer wieder Gäste indischer und westlicher Herkunft die Farm. Interessante Begegnungen und niemals Langeweile. Manfred, ein Freund Bibis aus Deutschland, quartiert sich für längere Zeit ein. Er verbrachte fast die Hälfte der 46 Jahre seines Lebens mit Reisen, wobei er sich seinen Lebensunterhalt mit dem Handel von Silber und Edelsteinen verdient. Er hat ein schier unerschöpfliches Reservor an Lebenserfahrung und Geschichten über ferne Länder und Leute.

Wir schliessen schnell Freundschaft udn verbringen unzählige Stunden mit tiefgründigen Gesprächen und Diskussionen. Er ist auf der einen Seite ein praktisch denkender Typ, auf der anderen Seite ein feinfühliger Romantiker, der auch über noch so kleine Dinge philosophieren kann. Wir beschliessen, bis zum Ende dieses Jahres gemeinsam weiterzureisen. Der Abschied vom friedlichen Leben und den Leuten der Karuna Farm fällt mir zwar schwer, andererseits freü ich mich über die gemeinsame Reise.

Wir verlassen die Farm mit vielen Versprechen auf eine Rückkehr und reisen mit Jeep, Bus und Zug von Kodaikanal über Madurai nach Trivandrum, kommen dort nach etwa 18 Stunden an und nehmen gleich eine Rickshaw nach Kovalam , wo ich vor 2 Monaten meine Indienreise begonnen habe... Freudige Begrüssung von Sebastian und Pinu im Güsthouse. In ein paar Stunden von den Bergen an den Strand mit vielen Touristen, das ist schon was. Ziel ist, dass wir und hier ein paar Tage von der Reise erholen, ich währenddem mein Visa verlängere, das am 23.12. abläuft und dass wir dann während ca. 2 Wochen die Westküste hoch bis Gö reisen, um dort Weihnachten und Neujahr verbringen.

Am Tag nach meiner Ankunft in Kovalam fahre ich mit Sebastian zum Office des Commissioners in Trivandrum. Der Beamte blickt kurz in meinen Pass und meint dann, dass er aufgrund neür Regelungen mein Visa nicht verlängern kann. Alles Flehen und die Aussicht auf viel Backschisch helfen nichts. Für mich bricht kurz eine Welt zusammen. Ich muss aus Indien raus in ein anderes Land und dort ein neüs Visa beantragen.

Eine Destination vorziehen will ich nicht, das würde die Philosophie meiner Reise völlig durcheinanderbringen. Die einzige Möglichkeit ist also, den günstigsten Flug nach den Malediven zu buchen. Am nächsten Tag sitze ich schon im Landeanflug auf die malerischen Islands im indischen Ozean. Am Flughafen kaufte ich mir zuvor einen Lonley Planet Handbuch um überhaupt eine Ahnung zu haben, wohin ich da gehe. In Male muss ich mich zürst mal daran gewöhnen, dass alles etwa 10 Mal teurer als in Indien ist, keine Abfallberge rumliegen, die Leute nich auf die Strasse spucken und nach neuster westlichen Mode gekleidet sind. Schrecklich.

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      "Toms Reisen" © by Tom Schaich