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Im Bedford Truck den Karakorum Highway hoch


 
   

Impressionen aus Pakistan (Schluss): Gedanken zu Pakistan

Ich überlege sehr lange, was es eigentlich ist, was mich an Pakistan stört. Nehmen wir einmal das Thema Fraün in Pakistan. Eingesperrt, unterdrückt, vernachlässtigt, praktisch ohne Rechte, Sklave des Hausherren, der sich beliebig viele davon anschaffen kann. In der Öffentlichkeit gibt es keinen Einfluss der Frauen, man kann nicht mit ihnen sprechen, sie haben kein Wahlrecht und dürfen eh nur mit dem Chador auf die Strasse. Daneben die Männer, entweder kindische, eitle Machos, westlich gekleidet und gebildet, ohne jegliche Manieren.

Diese Typen interessieren mich nicht sehr, diese Frösche scheinen nur auf eine billige Art dem Westen nachzueifern, finden die Atombombe die feinste Sache seit Butthos Vater und haben den sehnlichen Wunsch, eine der westlichen blonden Nutten ins Bett zu bekommen, die sie ständig auf ihren Video Tapes sehen. Diese Idioten können mir gestohlen bleiben. Dieselbe Klasse gehirngewaschener Mittelklasse-Futzis wie in Indien. Dann die konservativen ländlichen Herren, traditionell gekleidet, mit langem Bart und Hunza-Mütze, stolz und weise aber leider kein Wort englisch sprechend.

Diese Gruppe von Leuten hat für mich eine magische Anziehungskraft. Mein Gesicht verwandelt sich sofort in ein breites Lächeln, ich hebe meine Hand zum Herz und spreche ein freundliches "assalam aleikum". Oft schütteln wir uns die Hände, strahlen uns an und tauschen Freundlichkeiten auf Urdu aus, wobei ich schnell immer zugeben muss, dass ich kein Urdu spreche. Die Händler unter ihnen stecken mir lächelnd was zusätzlich in die Tüte oder geben mir etwas spezielles zum kosten. Die paar Brocken Englisch beschränken sich auf den zuvorkommenden Service. Banalitäten wie Name, Zivilstand und Einkommen sind was für die gebildete Oberschicht. Was spielt das auch für eine Rolle. Wichtig ist, dass wir hier und jetzt susammen sind, wenn auch nur für wenige Augenblicke.

Könnte ich doch nur Urdu oder Pushtu sprechen. Was wärevon diesen erhabenen Greisen alles zu erfahren? Von ihren Bruderschaften, Fehden, Kriegen, ihren Söhnen, die als Helden bei den Mujahideen kämpfen. Von ihren Vätern, die noch Drogen, Waffen und andere Schmuggelware mit Kamelen oder Eseln von Afghanistan her über die Pässe transportierten. Aber wir lächeln uns nur an, die Geschichten bleiben mir verborgen. Ich kann den Geist dieser wilden Stammesangehörigen in dieser modernen Welt spüren, dass ich darüber nicht mehr erfahren kann, schmerzt mich sehr.

Es ist eine verbotene und verbotene Welt, in der ich mich befinde. Wir sind nur Besucher und Zuschauer, denen man einen ganz kleinen Teil einer Kultur öffnet, die so unglaublich fremt und komplex ist, dass ein Westler kaum je dahinter kommen wird. Jedenfalls als Mann nicht. Die Welt der Frauen oder der Familie bleibt für immer hinter den dicken, hohen Mauern verborgen, die jedes Haus umschliessen. Dahinter findet das wirkliche Leben statt, werden die Entscheide gefällt, der ganze Clan geherbwergt und das bewahrt, was sich islamische Kultur nennt.

Auch wir Besucher leben genauso in einem Käfig. Die Guest Häuser sind jeweils hermetisch von der Aussenwelt abgeriegelt. In der Öffentlichkeit sorgen Westler immer für Aufregung, Scharen von Kindern umstellen einem in jedem Shop und fast jeder schaut einem nach. Ruhige, abgeschiedene Plätze findet man kaum, Verabredungen mit anderen Leuten draussen in der Natur oder in einem gemütlichen Café finden aus diesen Gründen kaum statt.

Schon der Gang zum Bazar zu viert wird zum anstrengenden Spiessrutenlauf. Wie war das doch schön in Indien. Die Hindus scheinen wirklich ein Flair für aussergewöhnliche oder magische Orte zu haben und offerieren dort auch gleich einen entsprechenden Platz zum bleiben. Dazu findet das Leben in Indien überall auf der Strasse sstatt, Häuser werden sozusagen nur zum schlafen benutzt, Fenster und Türen werden schon gar nie geschlossen. Jeder kann sich beliebig am Leben des Nachbarn ergötzen, genau gleich wie der es bei seinem Nachbarn tut. Lebt man an einem solchen Ort, kann man die Grenzen für die öffentliche Teilnahme am eigenen Leben sehr einfach selber abstecken. Die Inder haben da genügend Sensibilität (und sonst kann man ihnen die unmissverständlich beibringen), auch wenn viele der überflieger, die ich angetroffen habe, anderer Meinung sind.

In Pakistan kommt erschwerend hinzu, dass die ungebildete Mehrheit der Bevölkerung mit nationalistischen und anti-indischen Parolen bei Laune gehalten wird, während die reichsten Clans mit der Regierung gemeinsame Sache machen, dabei kräftig abzocken und dadurch das schon marode Land noch mehr an Substanz verliert. Die Leute sind verbittert und ratlos, sogar der Joghurtverkäufer macht sich Hoffnungen, in den Westen zu kommen. Keiner hat einen Plan, in welche Richtung es gehen könnte, Hoffnung und Enttäuschung welchseln sich bei jedem Regierungswechsel ab. Die horrenden Ausgaben vom Staatsbudget für die Armee werden nicht nur für den Krieg gegen Indien eingesetzt.

Die gewaltigen Militärpräsenz soll auch das eigene Volk einschüchtern, um allfällige Stammesaufstände der ehemaligen souveränen Königtümern im Keim zu ersticken. Der Krieg ist schliesslich heilig und so auch die Mittel. Das scheint vorallem das Motto für die Mujahideen, die mit schwervbewaffneten Sechsjährigen und brennenden Flaggen von Indien und den USA für den Griff zur Waffe werben. Die Rekrutierungsbüros haben Hochbetrieb, es ist Kriegssaison.

Die Pässe sind für wenige Monate offen und so knallen sich die Inder und Pakistanis,die sich teilweise auf über 7000 Metern Höhe nebeneinander eingeschanzt haben, wieder gegenseitig ab wie wild. Freiwillige erhalten eine Waffe, Ausrüstung, Ausbildung und die Garantie, als Volksheld zu enden. Dazu stehen erfahrenen Kriegern die Grenzen offen. Überall wo's knallt und Muslims involviert sind, werden die Krieger unter der schwarz/weissen Flagge für gutes Geld beschäftigt. Und wer glaubt schon an eine Lösung des Kashmir- oder Palästina-Konflikts? Clinton vielleicht, den die Reichen im Lande verehren, weil er Coca Cola und CNN bringt, die Armen verabscheuen wie den Teufel persönlich, weil er alle schlechten Einflüsse aus dem Westen verkörpert. Wer in diesem Space aufwächst, wird zwingend von der herrschenden Situation beeinflusst.

Hallo Leute

Das wars wieder mal aus der Welt des Reisens. Selbstverständlich habe ich in den drei Monaten Pakistan einiges mehr erlebt als in diesen Texten erwähnt.

Wer mehr erfahren möchte, kann mir gerne unter folgender Adresse schreiben:

Tom Schaich
c/o Heinz Schaich
Hegi 390
CH- 4625 Oberbuchsiten
Switzerland

In wenigen Tagen werde ich nach China weiterreisen. Per Internet bin ich nach wie vor äusserst schwierig erreichbar. Ich wünsche Euch allen einen wunderschönen Herbst und viele interessante Stunden.

Gruss
Tom

 

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      "Toms Reisen" © by Tom Schaich