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Im Bedford Truck den Karakorum Highway hoch


 
   

Impressionen aus Pakistan (3): Karakorum Highway

Die Bedford Trucks stammen ursprünglich aus England und werden in Pakistan in Lizenz hergestellt. Und vorallem in speziellen Werkstätten von Künstlern umgebaut. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt bei guten Strassen vielleicht 60 km/h, meistens sind es, vor allem auf der Seidenstrasse, 5 bis 10 km/h. Dafür können sie ungeheure Lasten transportieren und scheinen unzerstörbar zu sein.

Könnt ihr euch etwas schöneres vorstellen, als mit einem solchen Dinosaurier eine der ältesten Handelsstrassen der Welt, vor Jahrtausenden von arabischen Händlern gegründet, mitten durch den Himalaya zu fahren? Die Strasse ist ungefähr so breit, dass sich zwei Fahrzeuge knapp kreuzen können, an manchen Stellen kaum breiter als unser Bedford und wurde in jahrzehntelanger Arbeit aus dem Felsen gesprengt. Man sagt, dass es pro Kilometer einen Toten bei den Arbeiten gegeben haben soll. Früher dienten auf dem schlecht ausegbauten Weg Kamele und Maultiere, später einfache Karen als Transportmittel.

Vor etwa 20 Jahren haben die Pakistanis mit Hilfe der Chinesen den Pfad in eine mit Lastwagen befahrbare Strasse ausgebaut und seit ein paar Jahren ist die auch für den Personentransport geöffnet. Von Islamabad bis Kashgar in China wird die alte Seidenstarsse nun Karakorum Highway genannt und gilt als eine der schönsten und eindrucksvollsten Strassen der Welt. Dass der Himalaya lebt und ständig wächst wird einem auf dem Karakoram deutlich bewusst. Oft verhindern Steinschläge und Erdrutsche die Durchfahrt, ständig treffen wir auf Bulldozer, die heruntergesturerztes Gestein wegräumen, dazwischen fahren wir durch kleine Flüsse, die durch das Schmelzwasser der Gletscher und des Schnees im Sommer entstehen.

Die beiden Brüder Ali Mohammad und Palavan kennen den Weg im Schlaf und verrichten ihren Job ensprechend dem Fahrzeug in aller Ruhe. Ungefähr jede Stunde wird an einem Fluss angehalten um dem Motor eine kurze Pause zu gönnen und ihm mit Qüllwasser zu begiessen. Dazwischen halten wir an um Chai zu trinken oder ausgiebig zu essen und danach im Schatten Siesta zu machen. Die beiden sprechen, wie alle anderen Fahrer die ich antreffe, kein Wort englisch. Dennoch verstehen wir uns ausgezeichnet und haben bei unseren Konversationen viel zu lachen.

Da sitze ich nun auf dem Dach und komme mir vor, wie auf meiner Schiffsreise. Alles ist unglaublich langsam, die meiste Zeit sind wir im Schritttempo unterwegs. Ich habe genügend Zeit, mir die Umgebung anzuschaün. Und die sit wirklich sehenswert. Die Strasse schlängelt sich dem Indus, Pakistand wichtigstem und grössten Fluss entlang. Oft habe ich das Gefühl, den Kopf einziehen zu müssen, da gerade nur soviel Fels aus dem Berg gehaün wurde, dass ein Lastwagen durchfahren kann. Neben der Strasse geht es teilweise hunderte von Metern senkrecht runter zum Fluss. Auf der anderen Seite erheben sich mächtige Berge in bizarrsten Formen steil in die Höhe.

Anfangs sind die Berge teilweise bewaldet oder mit grünen Terrassen bepflanzt, je weiter wir kommen, desto kahler wird die Landschaft. Im Tal des vom Gletscherwasser milchig weissen, reissenden Flusses bilden sich an manchen Stellen weisse Sandstrände, an andren Orten grüne Oasen, die von Farmern bewohnt und bepflanzt werden. Zwischendurch werden die Täler breiter und bieten eine kilometerweite Aussicht auf den Indus und den Karakorum.

Oft sind kleine Siedlungen hoch oben in den Bergen erkennbar, und mir ist unerklärlich, wie Menschen in dieser unwirtlichen Umgebung leben können. Es wird Nacht, wir halten in einem Restaurant, stellen nach dem Nachtessen ein paar Pritschen hinter den Truck, den wir direkt am Karakorum geparkt haben und schlafen ein paar Stunden.

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      "Toms Reisen" © by Tom Schaich