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Magic Hampi (Schluss)


 
   

Nach zwei Tagen auf dem Dach bekomme ich die Möglichkeit, in eines der einfachen Zimmer zu wechseln. Dazu habe ich aber absolut keinen Bock mehr. Ich möchte wissen, wie lange ich mich auf diesem Dach unter freiem Himmel wohl fühle, wie lange ich es aushalte, pausenlos den Blicken anderer ausgesetzt zu sein und den Schlafsack und die Kleider ständig voller Staub zu haben. Jedenfalls geniesse ich die heissen Nachmittage bei einer leichten Briese im Schatten und die wundervollen Nächte mit dem Konzert der Frösche ungemein. Ein wichtiger Grund für mein allgemeines Wohlbefinden sind sicher die anderen Traveller, mit denen ich zusammenlebe.

Zuerst einmal sind Manfred und Ronny mit von der Partie, alte Freunde sozusagen, mit denen ich schon vorher viele gute Wochen verbracht habe. Andi und Lara aus Florenz leben zeitweise in Varanasi bei einem Guru, wo Andi Pakahwatch, eine unheimlich komplizierte Trommel spielen lernt. Carmelo und Debora aus Perugia leben auf Gran Canaria, Bali und Varanasi, kaufen im Winter Kleider in Bali, gehen dann nach Indien, wo Carmelo beim selben Guru Pakahwatch lernt, verkaufen anschliessend die Kleider an den Stränden Italiens, danach in Gran Canaria und wiederholen die Tour jedes Jahr. Orit lebt in Tel Aviv auf einem Boot im Hafen wenn sie nicht gerade in Tokyo wohnt, wo sie als Art Fotografin Geld mit ausgefallenen, teilweise obszönen Arbeiten verdient. Katrine und Geert arbeiten in Belgien, Katrine möchte Drummerin werden und die beiden Youngsters sind auf ihren ersten grossen Trip.

Tobi aus Deutschland mag Biokost, sieht ein bisschen aus wie ein Waldgeist, ist immer gut drauf und pennt jede Nacht mit einer süssen Japanerin auf einem der Hügel. Hippiesteve aus Kanada will Raft-Guide in Nepal werden und verbreitet erst mal in Indien gute Stimmung. Stoneymike ist, wie sein Name schon sagt, den ganzen Tag weggetreten, kommt aus Finnland und schuftet dort auf den ölbohrinseln. Twain aus England hat ein Haus in Goa, einen Jeep, den besten Sound (unser offizieller DJ), ist entweder komplett dicht oder ständig am Arbeiten und leitet Dolphin Watch India. Maria, Miss Chilum, aus Griechenland ist entweder am Rauchen oder am Husten. Kiki, ebenfalls aus Griechenland war ärztin in einer psychiatrischen Klinik und treibt nun allerlei Handel rund um die Welt.

Thomas und Anna vom Chiemsee haben eine Flasche echten Chivas Regal auf dem Zimmer reisen aber sonst absolut Low Budget. Dorjee, Mister Full Power, hat sein Leben lang Geld gespart, ist dann vor drei Monaten zu Fuss während vierzehn Tagen von Tibet nach Indien abgehaün, vergnügt sich jetzt ein paar Wochen um dann entweder zurück zum Sozialismus zu marschieren oder die Frau seines Lebens zu finden. über jeden einzelnen gäbe es noch so viel zu schreiben. Jedenfalls könnt ihr Euch vielleicht schon anhand der kurzen Beschreibungen vorstellen, dass das Zusammenleben mit diesen Leuten nie langweilig wurde. Soviele Geschichten, Schicksale und Lebenserfahrung auf einem Haufen, da bekommt man schon einiges mit über.

Die Tage vergehen wie im Fluge. Ich unternehme oft Ausflüge in die Hügel, zu den Stauseen, Flüssen, Tempel und Dörfer. Oft gehen wir in einer grossen Gruppe aus, baden im Fluss, vergnügen uns bei den unglaublichen Wasserfällen, gehen zusammen in die Stadt shoppen oder schlafen bei Vollmond auf den riesigen Felsen der Hügel. Es gibt kaum ein Sonnenuntergang, den wir nicht von irgendeinem Ort aus gebannt verfolgen. Ich schreibe mittlerweile jeden Tag mindestens zwei Stunden, ich sprudle nur so von Ideen und probiere gerne neü Sachen.

Dazwischen bin ich noch zum angefressenen Yoga-Freak geworden. Schon nach den ersten Stunden hatte ich mein Rückenleiden im Griff, dazu fühlte ich mich energiegeladen, leicht und hatte nach den Lektionen ein Lächeln auf den Lippen, dass ich stundenlang nicht wegbringen konnte. Nun weiss ich was es heisst, total relaxed zu sein. Gegen Ende meines Aufenthalts löst die die Gang langsam auf, die Leute verteilen sich wieder auf ganz Indien. Adressen werden ausgetauscht, gemeinsame Reiseziele eruiert, Verabredungen gemacht. Auch ich habe mittlerweile ein Programm zusammen, wie ich den Norden bereisen und mit Leuten aus der Hampi-Gang zusammen sein kann. Als nächstes werde ich mit Andi, Lara, Katrine und Geert nach Badami gehen. Dennoch fällt mir der Abschied aus diesem magischen Space schwer. Und wieder gehts mit meinen 18 kg auf dem Rücken unbekannten Destinationen entgegen. Werde ich je wieder von einem Ort so fasziniert sein, wie von Hampi?

Eigentlich sollte das weiter Nordöstlich gelegene Badami nur Zwischenstation nach Bombay sein. Aber dieses Städtchen mit seinen roten Felsen und dem Fort im Hintergrund hat mich völlig in seinen Bann gezogen. Es sind vorallem die Einwohner, diese sehr traditionellen, kaum englisch sprechenden aber ausgesprochen freundlichen Menschen. Ein Erlebnis besonderer Art ist es, durch die mit Steinplatten gepflasterten Gassen zu gehen, vorbei an den quaderförmigen, weissgetünkten Häusern mit farbigen Tür- und Fensterrahmen. Die Bewohner, in Dothis und Saris gekleidet, sitzen im Schatten der Eingänge, grüssen freundlich, während man einen Blick durch die breite, reichverzierte Haustür in die blitzblanken Räume wirft, in denen Kühe, Ziegen und Menschen gemeinsam leben. Schon wie in Hampi ist kaum ein Hinweis, ausser die allgegenwärtigen verblödenden Fernsehgeräte, sichtbar, dass wir im 21. Jh. leben. Kunstvolle Höhlentempel aus dem 7 Jh. und Tempel und Befestigungsanlagen aus derselben Zeit stehen als beeindurckende Beispiele des handwerklichen Könnens dieser Zeit.

Auch hier unternehmen wir so einiges. Der Höhepunkt erleben wir, als Geert eine Art Höhle mit zwei kleinen Tempel und einem Wasserloch inmitten einer leicht besteigbaren Felswand findet und wir dort eine magische Nacht, umgeben von Statün der wichtigsten hinduistischen Göttern und ein paar riesigen Spinnen verbringen. Recht komisch kommt es mir vor, wieder in einem Zimmer wohnen zu müssen. So sitze ich oft auf der Veranda des Dreibettzimmers, das ich mit Katerine und Geert teile und schaü der hier ebenfalls ansässigen Affenherde beim rumlümmeln zu. Jedenfalls geniesse ich noch mal die Ruhe vor der Reise nach Bombay und verbringe schlussendlich eine ganze Woche in Badami, der perfekten Location für einen Bildband über Indien.

Nach so vielen Wochen endlich wieder mal alleine, fahre ich zürst nach Bijapur, um die beiden islamischen Mausoleen Golumbaz und Ibrahim Rosa anzuschaün. Die gehörten den netten Jungs, die dazumal Hampi in Schutt und Asche legten. über Sholapur gelange ich endlich nach Bombay, wo ich zwei, drei Tage Infrastruktur tanken und dann nach Gujarat weiterreisen will. Selbstverständlich kommt alles wieder anders. Aber das ist eine andere Geschichte.

Das wärs wieder mal mit dem Bericht des kleinen Mannes aus der grossen weiten Welt. Was mich schon lange mal interessieren würde: Was meint ihr eigentlich zu diesen Berichten? Sind sie zu lange, zu kurz, zu langweilig, zu oft oder was auch immer? Nun bin ich ein halbes Jahr unterwegs und zerbreche mir jeden Monat den Kopf, was die Daheimgebliegenen denn interessieren könnte. Schreibt mir doch einfach mal Eure Meinung, darf ruhig auch sehr kritisch sein (ich mach dann einfach eine Stunde Yoga und der Frust ist wieder vergessen). Erreichen könnt ihr mich nach wie vor per Post (bitte einfach aktülle Adresse nachfragen) oder per E-Mail (tomschaich@yahoo.com). Ich freue mich auf jede Reaktion.

Gruss
Tom

 

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      "Toms Reisen" © by Tom Schaich