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Fest der Sinne (Fortsetzung)


 
   

Welch ein Luxus für einen Traveller - solche Dinge erleichtern das Reisen erheblich. Dann setzte ich mich in irgendein Restaurant und lasse mir irgendetwas bringen, denn die Speisen auf den Karten der indischen Restaurants in der Schweiz sind offenbar in Indien nicht erhältlich. Es schmeckt wunderbar!

Die nächsten paar Stunden ziehe ich dann von Restaurant zu Restaurant und fresse mich wahllos durch die indische Küche. Die Lokale sind meist nur einfache Bretterbuden mit einem oder zwei Tischen, der Service speditiv und nach dem letzten Bissen steht die Rechnung schon auf dem Tisch.

Die Leute erscheinen mir angenehm direkt. Hatte ich in Sri Lanka oft erlebt, dass mir Leute zuerst mal eine Viertelstunde nach meinem Leben fragten, um mir dann in aller Freundschaft etwas andrehen wollten, kommen die Inder direkt auf einem zu, sagen was zu welchem Preis sie verkaufen wollen und ich kann bequem NEIN sagen.

Werde ich danach immer noch belagert, beachte ich die Leute einfach gar nicht mehr, was hier niemand als unfreundlich auffassen würde. Dennoch waren die Leute für mich zu diesem Zeitpunkt äusserst suspekt und undurchschaubar. Ich hab die Schnauze erst mal voll von Trivandrum, breche meinen Stadtbummel unversehens ab, gehe in meine Bleibe, packe den Rucksack, setzte mich in die nächstbeste Rickshaw und lasse mich 14 km weiter am Strand von Kovalam absetzen.

Vom Regen in die Traufe, wie mir zunächst scheint: Der Strand ist schwarz verschmutzt und bis zum Wasser mit Restaurants und kleinen Shops verbaut. Eine solch hässliche Beach habe ich in meinem Leben noch nie gesehen. Auf der Suche nach einer Unterkunft spricht mich ein dezent gekleideter, perfekt Englisch sprechender Inder an und führt mich zu seinem Gästehaus. Ich bin angenehm überrascht: Etwas weg vom Strand stehen mehrere blitzsaubere kleine Gebäude um einen süssen kleinen Garten herum.

Die Zimmer mit Veranda sind frisch renoviert und in Pastellfarben gestrichen, gleich daneben wohnt eine grosse indische Familie in ein paar Lehmhütten. Genau das, was ich brauche. Sebastian, der Manager, kommt frisch von der Hotelfachschule und führt das Anwesen wie ein Luxushotel, liest seinen Gästen die Wünsche von den Augen ab. Als er merkt, dass ich mich für sein Land interessiere, erklärt er mir stundenlang verschiedene Zusammenhänge, zeichnet mir jeden Morgen Artikel in der Zeitung an, die für meine Weiterbildung relevant sind und führt mich zudem an zwei Ausstellung und stellt mich vielen interessanten Leuten vor.

Gleich nebenan wohnt Edvin, ein junger Israeli, der nach 3 Jahren Militärdienst das Leben geniessen will und seit 6 Monaten in Indien rumreist. Er klärt mich über viele Dinge auf, die das Reisen hier einfacher machen und führt mich bei zahllosen Restaurantbesuchen in die Geheimnisse der indischen Küche ein. Dann lerne ich den 23jährigen Deutschen Mangalan kennen, der seit über einem Jahr in einem Ashram (einem Zentrum zur übung der geistigen Konzentration) mit seinem Guru lebt und sich hier ein bisschen ausspannt. Mit ihm verbringe ich viele Nächte auf meiner Veranda, wo wir bei Musik von Miles Davis und Gilles Peterson über den Hinduismus und Spiritualiät diskutieren. Durch ihn erhalte ich nicht nur einen guten Einblick in die Religion, sondern erfahre auch einiges über die Mystik und die tiefverwurzelten Traditionen des Landes.

So vergeht eine Woche an diesem sonderbaren Ort, der mit Indien eigentlich gar nichts zu tun hat, wo ich aber sehr viel Theorie lerne. Mangalan und ich beschliessen, in die Praxis überzugehen und nehmen gemeinsam den Zug nach Kaniyakumari, dem südlichsten Zipfel Indiens. Dieser bedeutende Pilgerort beherbergt nicht nur einen wichtigen Tempel und ein Memorial für den Religionsführer Swami Vivekananda, dort fliesst auch der Indische Ozean mit dem Arabischen Meer und der Bucht von Bengalen zusammen.

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      "Toms Reisen" © by Tom Schaich