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Crazy days in Urumqi, Teil 4


 
   

Schlussendlich scheinen die Leute hier eine ganz andrere Vorstellung von Kommunikation zu haben, so will ich es so einfach als möglich halten und keinen überfordern. Als ich am nächsten morgen zur Präsentation in die Schule schreiten will, wird mir im allgemeinen Chaos ein Buch in die Finger gedrückt, erklärt, dass Pattigül krank sei und ich ihre Klasse übernehmen müsse, widerstand zwecklos. Ich will noch ziemlich herausfinden wie das mit dem lehren hier denn so funktioniert, meine Peiniger haben sich aber schon aus dem Staub gemacht. FSo bleibt mir nichts anderes übrig, als in das Klassenzimmer mit gut zwanzig jubelnden 8 bis 30 jahrigen zu marschieren und laut Good morning everybody! zu rufen.

Alle erheben sich schön brav von den Bänken und schreien Good morning teacher! wie ein Mann zurück. Das macht Spass! Ich versuche mit einem OEHow are you?? nachzukoppeln, was alle mit OEHow are you?? wiederholen. Ok, hier ist Handlungsbedarf angesagt. Ein Knirps informiert mich, welche Lektion heute dran ist, ich frage aber gleich mal die vorherige Lektion ab. Das Resultat ist ziemlich ernüchternd, die Anfängerklasse scheint sich auf das Wiederholen von Vorgesprochenen Sätzen spezialisiert zu haben und das finde ich ziemlich stupid.

Nach einigem überlegen schreibe ich die wichtigsten zehn Farben an die Wandtafel, zeige auf Gegenstände mit entsprechenden Farben im Klassenzimmer und lasse die Wörter so lange wiederholen, bis ich das Gefühl habe, dass es alle begriffen haben. Dasselbe wiederhole ich mit Kleidungsstücken, bis ich dann im Klassenzimmer rumrenne aus Dinge zeige, die dann die Schüler einzeln wiederholen müssen. Am Ende der zwei Stunden ist dann fast jeder in der Lage, my coat is yellow? oder eher trousers are red.

Die Schüler scheinen Spass daran zu haben, ich bin anschliessend aber fix und fertig. Nach der Präsentation meiner Ideen, die ich mehrmals wiederholen musste, bis sie alle begriffen haben, scheint die Schulleitung zuerst begeistert, stellt danach aber die Frage, wer sowas produzieren und vorallem bezahlen soll, da das Gesamtbudget nur rund 1000 Dollar beträgt. Was ich als Holzhammer-Reklame bezeichnen würde, stufen die Jungs als highly sophisticated advertising? ein. Nach einer längeren Diskussion auf Uygur folgt die Antwort not possible. Ich bitte meine Freunde, erst mal bei der Fernsehstation abzuklären, wie das mit den Möglichkeiten dort aussieht, worauf Alim sienen Schwager konsultiert, der als Techniker beim TV arbeitet und selbstverständlich auch nicht mehr weiss.

So bitte ich Pattigül, ihren ganzen Charme zusammenzunehmen und zu versuchen, beim manager of Xingjiang TV? einen Termin zu bekommen. Sie schaut mich zürst an, als ob ich ihr ein Stück Schweinebraten offeriere, nimmt aber dann den Telefonhörer in die Hand, spricht mit der Sekretärin des Bosses und bekommt tatsächlich eine Audienz, vielleicht weil sie irgendwas von einem europäischen Werbespezialisten? erzählt.

Zwei Stunden später stehen wir vor dem Tor den riesigen und modernen Büro- und Studiokomplexen von Xinjiang TV und werden von der Security zum Büro des Direktors des zweiten Programms, das ausschliesslich in uygru ausstrahlt, begleitet. Der Direktor, ein freundlicher älterer Herr, bittet mich und Pattigül in seinem geräumigen Büro auf einem Ledersofa platz zu nehmen und ordert bei der Sekretärin Getränke. Zürst scheint er über meine ganz und gar nicht businesskonforme Aufmachung ziemlich perplex zu sein. Er fragt mich dann aber sichtlich interessiert über meine Vergangenheit aus und ich erkläre ihm bereitwillig über mein bisheriges Wirken als Werber.

Als er dann nach unserem Anliegen fragt, komme ich mir mit meinen paar vollgekritzelten Seiten ziemlich blöd vor. Ich füge dem Konzept an, dass wir eine Schule sind, die es sich zum Ziel gesetzt hat, mit viel Professionalität und Motivation vielen Uygurs eine Ausbildung zu einem günstigen Preis zu ermöglichen und somit den Status dieser Minderhiet in der chinesisch dominierten Hauptstadt zu verbessern. Der Direktor zeigt sich sichtlich beeindruckt, stellt noch einige Fragen und sichert uns dann zu, dass der Commercial von XJTV kostenlos produziert wird, die Einschaltkosten massiv reduziert werden, der Spot ausschliesslich zur Primetime ausgetrahlt wird und dass ich für meine Fotoaufnahmen technisches Material der Studios haben könne.

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      "Toms Reisen" © by Tom Schaich