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Crazy days in Urumqi, Teil 2


 
   

Die Toiletten sind sauberer als alles, was ich bisher in Zentralasien gesehen habe und wir würden am liebsten abends unsere Matratzen dorthinlegen und im süssen Duft von Raumerfrischer friedlich einschlummern. Nicht minder attraktiv scheint uns der kulinarische Tiefflug zur MacDonalds-Kopie mit dem vielversprechenden Namen Best Food Burger.

Chips mit Ketchup und ein echter Rindfleischburger kosten zwar soviel wie vier Laghman, dafür haben die Kassiererinnen süsse Uniformen an und sprechen englisch mit amerikanischem Akzent. Das Internet CafÈ, eine Mischung zwischen Hightech-Kommandozentrale und abartigem Spezialitätenrestaurant bietet in der VIP-Sektion zum Surven von verschiedenen Schlangen, Schildkröten, über alle Arten von Meeresgetier bis zu Vögeln , die ich nicht mal in einem Zoo gesehen habe, alles an, was bei uns auf der Liste der geschüteten Arten steht.

Dafür gibts mit dem gefälschten Studentenausweis einen saftigen Rabatt, so dass ich mal ein Mail mehr schreiben und mich auf der Blick Homepage vergewissern kann, dass in der Schweiz wirklich absolut nichts von Bedeutung passiert. Am meisten zieht und aber der Reservationsschalter im hiesigen Bahnhof an, wo der Kauf eines Tickets zum echten Abenteür werden kann. Jake muss langsam aber sicher dringend nach Shanghai, um seinen Rückflug nach London zu erwischen.

Dummerweise ist es aber in Urumqi so, dass viele Tickets für entfernte Destinationen von der Russenmafia aufgekauft und über Reisebüros und den Schwarzmarkt zu massiv überteürten Preisen dem Endverbraucher verscheürt werden. Wir haben uns so organisiert, dass Jake jeweils frühmorgens vor dem Reservationsschalter ansteht, derweil ich draussen auf dem Schwarzmarkt mit den Russen verhandle. Nach drei Tagen und verschiedenen unannehmbaren Angeboten treffe ich auf einen fetten Russen mit Bürsten-Haarschnitt, dem MafiaÇ ins Gesicht geschrieben steht. Ich habe meine Taktik mittlerweile geändert und gebe mich ziemlich gelangweilt als Mittelsmann eines KlientenÇ aus und gebe den Tarif direct durch.

Der böse Bube steigt darauf ein und eine Stunde später habe ich ein Ticket in der Hand, das ich dem nächstbesten Chinesen unter die Nase halte, um dessen Echtheit zu prüfen. Am nächsten Morgen setzt sich Jake glücklich in den Zug. Ich bin wieder mal alleine und habe vor lauter Mafia vergessen, einen Plan für meine eigene Weiterreise zu schmieden. Das ist der Moment, in dem der Westler vom Dormitory mal früher zurückkommt und sich als Frank aus dem englischen Hull vorstellt. Ich mag den langhaarigen Hühnen vom ersten Augenblick an, er ist jung, unkompliziert, lacht ständig und erzählt mir vorallem, dass er seit drei Monaten hier in diesem Zimmer in Urumqi lebt, was mich ziemlich erstaunt. Nach seinem Studium als Sportwissenschaftler hat er herausgefunden, dass es in seinem Gebiet eigentlich gar keine Jobs gibt, hat dann ein paar Monate in einer Fabrik für die Herstellung gefrohrener Erbsen gearbeitet und sich dann mit dem Salär nach Indien verabschiedet.

Nach einigen Monaten rumreisens und hängens in Indien und Pakistan kam er über dieselbe Route wie ich nach Urumqi. Dort sties er per Zufall auf einen einheimischen Lehrer, der ihn über die Situation der Uygurs aufgeklärt hat und ihn bat, ein paar Wochen in einer Sprachschule für Uygurs zu unterrichten. Frank fand die Idee ziemlich verrückt und willigte ein. Ein paar Wochen später wurde die Besitzerin der Schule wegen antichinesischer Propaganda verhaftet und das Institut zerfiel langsam ohne Führung. Franks Salär wurde nicht mehr bezahlt und als ein einheimischer Lehrer ihm halt, zu seinem Geld zu kommen, wurden gleich beide rausgeschmissen. Für Frank als stinknormaler Traveller kein Problem, für den Uygur mit seiner schwangeren Frau eine ziemliche Misere.

In der Situation kam den beiden nichts besseres in den Sinn, als ihr ganzes Geld zusammenzukratzen und, zusammen mit einer anderen Lehrerin, in eine neü Schule zu investieren. Was bisher wie ein kurzes Ferienabenteür aussah, wurde nun für Frank Ernst. Währenddem er sich auf dem Schwarzmarkt in Hongkong ein Businessvisa besorgte, organisierten seine neün Partner die nötigen Bewilligungen und Schulungsraume, wobei sie es irgendwie fertigbrachten, von der Xinjiang University, dem ersten Institut der gesamten Provinz, anerkannt zu werden und erst noch deren Namen verwenden zu dürfen.

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      "Toms Reisen" © by Tom Schaich