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Crazy days in Urumqi


 
   

Urumqi, September und Oktober 2000

Mein Schicksal begann damit, dass ich meinen Mate Jake überredete, 2 Kwai mehr für ein anderes Hotel auszugeben, um den Luxus einer heissen Dusche gleich neben dem Dormitory zu geniessen. Das Xinjiang Hotel, ein gigantischer Zweisterne-Betonbunker, idyllisch an einem Kreisel von vier stark befahrenen Strassen gelegen, lädt nicht gerade zum verweilen ein und weder Jake und ich haben vor, länger als unbedingt notwendig hierzubleiben.

Für einmal scheinen die Jünger des Loneley Planet recht zu behalten: Urumqi bietet wirklich gar nichts. Und dieser Umstand hat hier Tradition. Gegründet Mitte des 17. Jahrhunderts als chinesische Garnisonsstadt zur Kontrolle der nördlichen Seidenstrasse und der Uygurs, konnten frühe Reisende nur von der Brutalität der Machthaber und vom immensen Dreck, Schlamm und Abfall in den Strassen berichten, in dem gelegentlich mal ein Pferd oder ein paar Kinder ersoffen.

Bald einmal wurde dieser schaürliche Flecken Erde zwischen den Altai Mountains und dem Tian Shan Gebirge, im Sommer brütend heiss und im Winter arschkalt, zur Hauptstadt der Privinz Xinjiang erklärt. Den Muslims paste aber die Präsenz der Chinesen in ihrem Territorium nicht so recht und versuchte den Schlitzaugen das Leben so schwer als möglich zu machen, was in den 30er Jahren zu einer grossen Rebellion ausartete, die mit Hilfe der benachbarten Russen niedergeschlagen wurde.

Den Helfern wurde dann eine Menge von Exklusivverträgen unter die Nase gerieben, was für die Entwicklung der Stadt zur potthässlichen Metropole einen starken Einfluss hatte. Urumqi zählt heute gut 1,5 Millionen Einwohner, besteht hauptsächlich aus Strassen, gesichtslosen Wohnblicks, hohen Bürosilos und Shoppingcenters. Auf Wiesen und Bäume hat man grosszügig verzichtet, denn keener ist ja wirklich zum Spass hier. Wer in Xinjiang Arbeit, Ausbildunhg oder eine Zugverbindung sucht, kommt um Urumqi kaum herum. Noch weiss ich nicht, was in Zimmer Nummer 500 des Xinjiang Hotels auf mich wartet.

Der Raum mit sechs Betten ist zwar geräumig, bietet aber wenig Möglichkeit zur Individüllen Entfaltung. Die anwesenden Japaner sind alle auf ihrem Paranoia-Trip, deshalb unansprechlich und àausstehlich, der einizige Westler verschwindet jeweils frühmorgens und kommt spät Nachts zurück. Wegen den günstigen Zimmerpreisen wimmelt das Stockwerk von chinesischen, pakistanischen und einheimischen Kleinhändlern, die sich im gegenüberliegenden Grosshandels-Markt mit Waren zum Wiederverkauf eindecken und den ganzen Tag schamlos mit ihren dicken Bäuchen und stummeligen Beinen, nur mit ausgebeulten Unterhosen bekleidet, in den Gängen rumrennen.

Die einzelnen Toiletten des Gemeinschaftsbadezimmers sind nur mit knapp meterhohen Wänden voneinander getrennt, jeder verrichtet sein Geschäft in Kaürstellung, spuckt und würgt vor sich hin und verlässt den Ort in einem widerlichen Chaos ohne zu spühlen. Im angrenzenden Wasch- und Duschraum geht es ähnlich zu und her. Von der Rasierklinge bis zum Morgentee wird alles auf den Boden geschmissen, in jede Ecke gespuckt oder von der Türe aus in die Dusche gepinkelt. Wenns um die Toilette geht, sind die Chnesen wirklich Schweine.

Die netten Damen vom Reinigungsdienst rüsten sich jeweils aus, als ob sie im Atomkraftwerk Brennstäbe wechseln gehen, bevor sie den Ort des Schreckens betreten. In diesem Umfeld ziehen ich und Jake es vor, uns auf die wirklichen Sehenswürdigkeiten von Urumqi zu konzentrieren. Unser Favorit ist die Toilette im ersten Stock des fünfsterne Holiday InnÇs, an dessen Eingang man vom livrierten Portier mit good morning, SirÇ begrüsst und mit einem may I organize a Taxi for you, Sir? verabschiedet wird.

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      "Toms Reisen" © by Tom Schaich